Jeder verdient eine zweite Chance

Leider läuft nicht alles wie geplant oder gewollt. Schließt man einen Vertrag ab, so erwartet man guten Grundes, dass jeder seine Verpflichtungen erfüllt.

Der Studioinhaber hat beispielsweise dafür zu sorgen, dass die Sportgeräte einwandfrei sind und keine Gefahrenquellen für die Mitglieder darstellen. Im Gegenzug sollte das Mitglied seine Beiträge fristgerecht zahlen.

Hin und wieder kommt es zu Störungen im Vertragsverhältnis, das heißt mindestens eine Seite erfüllt ihre Aufgabe nicht ordnungsgemäß.

Die Duschen im Fitnessstudio sind nicht sauber? Das Fitnessstudio schließt viel früher als im Vertrag angegeben und du kannst nicht trainieren? Und plötzlich hängt im Eingangsbereich eine Videoüberwachungskamera?

Oder andersrum: Das Mitglied hat keine angemessene Sportbekleidung an? Oder es vergisst immer die benutzten Sportgeräte zu desinfizieren?

Fälle, die viele gerne als Anlass nehmen um den Vertrag fristlos zu kündigen. Leichter gesagt als getan.

Denn in der Juristerei gilt –wie im echten Leben auch-, dass der Vertragspartner eine zweite Chance verdient.

Die sogenannte Abmahnung oder Abhilfe ist uns ein aus dem Arbeitsrecht geläufiger Begriff. Im Grunde ist es nichts Weiteres, dass man seinen Vertragspartner ausdrücklich nochmal auffordert, seine Aufgabe pflichtgemäß zu erfüllen. Hierfür muss es dem Studioinhaber ausreichend Zeit lassen.

Müssen die Duschen komplett saniert werden, so musst du dem Studio ein paar Monate gewähren. Willst du, dass das Mitglied in angemessener Kleidung erscheint? So genügt selbstverständlich ein Hinweis, dass er beim „nächsten Mal“ ordnungsgemäß das Studio besucht.

Es ist also, wie du siehst, einzelfallabhängig.

Wichtig ist, dass du unverkennbar erklärst, dass der vereinbarte Vertragszustand eingehalten wird.

Das Mitglied sollte in den oben genannten Fällen vom Studioinhaber verlangen (am Besten schriftlich!), dass die Duschen gereinigt oder die vereinbarten Öffnungszeiten eingehalten werden.

Im umgekehrten Fall: Der Studioinhaber sollte das Mitglied zunächst auf eine angemessene und taugliche Sportbekleidung hinweisen.

Rechtliche Konsequenzen gibt es nur dann, wenn diese Schritte ergebnislos bleiben. Dann darf der Vertragspartner außerordentlich kündigen.

(Bild von Anna Shvets/pexels.com)