Alles Schöne hat ein Ende – so auch der Fitnessstudiovertrag.

Haben deine Fitnessverträge auch Mindestlaufzeiten? Sie sind meistens für 6, 12 oder 24 Monate angelegt. Das heißt, dass das Mitglied für diesen Zeitraum an den Vertrag gebunden ist und nur bei einer Kündigung innerhalb der Kündigungsfrist aus dem Vertrag aussteigen kann.

Es gibt aber Fälle, in denen das Gesetz oder auch der Fitnessvertrag eine fristlose Kündigung unter besonderen Voraussetzungen zulässt. Das Mitglied kann den Vertrag hier und sofort beenden, sobald ein wichtiger Grund gegeben ist.

In diesem Blogbeitrag beschäftigen wir uns näher mit der fristlosen Kündigung wegen „Krankheit“, weil diese in der Fitnessbranche wohl am häufigsten vorkommt.

Wann darf das Mitglied außerordentlich kündigen?

Eine sofortige Beendigung des Vertrages ist möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Da dieser Begriff sehr weit gefasst ist, haben die Gerichte hierzu in Einzelfällen verschiedene Urteile gefällt.

Zunächst muss das Mitglied überhaupt seine Kündigung aussprechen. Es genügt, wenn das Mitglied mitteilt, dass er den Vertrag beenden möchte. Das Wort „kündigen“ muss nicht zwangsläufig auftauchen. Da eine außerordentliche Kündigung nur aus einem wichtigen Grund ausgeprochen werden darf, sollte das Mitglied diesen wenn möglich mitteilen. Der Grund wird häufig eine Erkrankung sein. Doch viele Gerichte sind der Ansicht, dass das Mitglied nicht verpflichtet ist, seine Erkrankung detailliert offen zu legen. Da geht der Datenschutz nämlich vor. Legt das Mitglied freiwillig seine Krankheit offen, dann ist es wiederum seine Angelegenheit und du kannst die Kündigung dahingehend für dich prüfen.

Eine Krankheit liegt vor. Und nun?

Eine Grippe, die höchstens in einer Woche auskuriert ist, wird selbstverständlich kein außerordentlicher Kündigungsgrund sein. Da muss das Mitglied seinen Körper für eine kurze Dauer schonen und kann danach gewohnt trainieren gehen.

Also muss die Krankheit von einer gewissen Dauer geprägt sein. Auch dieser Begriff ist leider nicht klar umgrenzt. Hier entstehen die meisten Probleme, denn jeder trägt vor, dass seine Krankheit irgendwie von längerer Dauer ist.

Du kannst dich aber an folgenden Punkten orientieren:

  • Bescheinigt der Arzt, dass die Krankheit „dauerhaft“ besteht? Dann ist es so. Das Mitglied darf also dauerhaft keinen Sport treiben. Drängen sich bei dir erhebliche Zweifel auf, so schlage den gerichtlichen Weg ein. Da können die Richter bei Bedarf nochmal prüfen lassen, ob die Krankheit tatsächlich dauerhaft ist.
  • Bescheinigt der Arzt, dass die Krankheit für eine Dauer von 7 Monaten besteht? Nun ja, hier fängt schon die Grübelei an. Wenn der Vertrag offiziell nur noch 5 Monate läuft, so spricht man schon von einer dauerhaften Erkrankung. Dann sollte das Mitglied fristlos den Vertrag beenden können. Also: Alles, was über die Restvertragslaufzeit hinaus geht, kann akzeptiert werden.
  • Bescheinigt der Arzt, dass die Krankheit für 2 Monate besteht und der Vertrag endet regulär erst in 10 Monaten? Hier sollte man dem Mitglied kulanterweise nur eine Ruhezeit einräumen. Von einer dauerhaften Sportunfähigkeit kann hier noch nicht die Rede sein.

Hat das Mitglied mit Sicherheit Kenntnis über seine Krankheit und Sportunfähigkeit erlangt, so hat er ca. bis zu zwei Wochen Zeit den Vertrag zu kündigen und das Attest einzureichen.

Das Attest alleine reicht jedoch für eine Kündigung nicht aus. Das Mitglied muss klar und deutlich dir gegenüber erklärt haben, dass er sich vom Vertrag loslösen will.

Beachte bitte einen Punkt noch:

Kündigungen müssen nicht schriftlich erklärt werden. Ab dem 01.10.2016 gilt für alle Verbraucherverträge, dass Kündigungen in sämtlichen Formen zulässig sind. AGB, die nur eine bestimmte Form vorschreiben, sind ungültig. Daher musst du deinen Mitgliedern die Kündigung per Telefon, SMS, E-Mail, etc. gewährleisten.

Liegen oben genannte Voraussetzungen für eine außerordentliche Kündigung vor, dann bestätige deinem Mitglied das Ende des Vertrages. Dieses ist immer der Tag, an dem du die Kündigung und das Attest erhalten hast.

(Bild von energepic.de/pexels.com)